Denn Letzteres ist kein Versprechen, sondern eine echte Zumutung:
Arbeit an sich, Reibung mit der Welt, das Aushalten von Widerständen und Fremdheit. Identität ist hier nichts Gegebenes, sondern etwas, das sich erst im Durchgang durch die Erfahrung formt und die Widerstände gilt es erst einmal zu überwinden… eine echte Herausforderung. Und wer macht das schon gerne? Ist dies doch weder angenehm und auch oft mit Angst, Unlust, Erschöpfung oder dem Verlassen der Komfortzone verbunden… Und dennoch sind diese Hindernisse essenziell für Wachstum und persönliche Weiterentwicklung.
Komisch, wie oft Menschen ihr diffuses Gefühl des Unglücks ewig aufrechterhalten – oder anstatt die eigene Unzufriedenheit als offenen Prozess zu begreifen, wird sie den anderen angelastet, durch subtile Selbstaufwertung oder moralische Überlegenheit anderen Menschen gegenüber. Das eigene Scheitern wird überdeckt. Die Kränkung tarnt sich als Haltung.
Ich beschreibe hier eine Person in meinem näheren Umfeld, die mittlerweile seit einigen Jahren ein sehr unglückliches Beziehungsleben führt, dafür keine Eigenverantwortung übernimmt und stattdessen moralisiert… nebenbei ist moralische Achtung nichts, das man sich erarbeiten müsste… dennoch…
Sie vermeidet sich selbstkritisch mit ihrem Fortkommen zu beschäftigen und steckt ihre Energie ins Urteilen über andere anstatt ins Gestalten des eigenen Lebens.
Oft passiert dies aus eigener Unsicherheit… denn wer andere abwertet, fühlt sich dabei stabil, aus Kontrollbedürfnis… denn Moral wird benutzt um das Verhalten anderer zu steuern, aus Angst… denn wenn jemand anders denkt und lebt bedroht dies das eigene Weltbild oder aus Macht… denn die Moral ist ein ziemlich elegantes Mittel um Dominanz auszuüben, ohne offen aggressiv zu sein.
Es geht nicht mehr um Verständnis für mich und mein Umfeld, sondern um Überlegenheit.
Der Dialog wird unmöglich, weil Schuld statt Neugier im Raum steht. Du bleibst abhängig von dem Verhalten anderer und innerlich wächst oft Frust und Leere trotz „Recht haben“.
Und ganz ehrlich:
Menschen, die wirklich reflektiert sind, müssen sich selten über andere stellen. Sie können Unterschiede aushalten, ohne andere Menschen abzuwerten…
Und wer wirklich werden will wer er bzw. sie ist, sollte das eigene Unglück nicht delegieren, sondern als Chance für die eigene Weiterentwicklung begreifen.